Shownotes zum Podcast 57 über Risikomanagement bei Großprojekten der DB Netz AG

Podcast #057:  In dieser Podcastfolge spreche ich mit René Mohren, Risikomanager bei Großprojekten der Deutschen Bahn, genau genommen der DB Netz AG. Was „normale“ Projektleiter von diesen Großprojekten lernen können, schildert René ausführlich in unserem Interview in Fulda.

Aspekte des Risikomanagements in Großprojekten.

20 Jahre Projektlaufzeit

Eine Baustelle der DB Netz AG

Ein Großprojekt kann zwischen 15 – 20 Jahre dauern

René Mohren sagt, das Interessante für die DB Netz AG zu arbeiten, seien die großen Projekte, deren Laufzeit sich auch mal über 15 – 20 Jahren hinziehen kann. „In 20 Jahren ändert sich sehr viel“, sagt Mohren: „Denken wir mal zurück, was war vor 20 Jahren? – Da gab es noch die D-Mark und Helmut Kohl war Bundeskanzler“. Allein die sich ändernden politischen Lagen, die Gesetzesänderungen und  die sich änderten Vorschriften sind ein Quell vieler Risiken.

Die DB Netz AG hat in jedem ihrer Projekte einen Verantwortlichen für den Risikomanagementprozess. „Das muss nicht unbedingt eine 100%-Stelle sein“, doch einer ist immer da, der verantwortlich dafür ist. In großen Projekten käme es schon mal vor, dass sich ganze Teams mit der Risikobewertung und Maßnahmensteuerung befassten.

Licht ins Dunkle bringen

Doch das Risikomanagement beschränkt sich nicht nur auf die weltwirtschaftlichen Großwetterlagen, „man müsse sich einfach mal Gedanken machen, was denn so alles auf einen zukommen könnte“. Die Aufgabe des Risikomanagers ist es, „Licht ins Dunkle“ zu bringen. Es gilt, die primären Ziele, die Einhaltung der Kosten, die Qualität und den Zeitrahmen abzusichern.

Es ginge darum, aus dem „Reagieren“ ins „Agieren“ zu kommen, um den Bedrohungen entgegen zu steuern. Auf die Frage, wie der Erfolg von Risikomanagement gemessen wird, antwortet Mohren: „Da muss man eine Brutto-Netto Berechnung machen; was wäre gewesen, wenn wir diese oder jene Maßnahme nicht eingeleitet hätten?“

Ein Projekt mit mehreren tausend Risiken

Risikomanagement-bei-großprojekten

Während eines Großprojekts werden zum Teil mehrere Tausend Risiken bearbeitet

So ein Großprojekt starte oftmals mit nur 50 Risiken, die sich im Laufe des Projektes natürlich vermehren. So käme es nicht selten vor, dass man am Ende eines Projektes mehrere tausend Risiken durchgegangen sei.  „Und das ist die Aufgabe des Risikomanagers, da einen Überblick rein zu bekommen. Was sind die primären, die Top-Risiken um die man sich als erstes kümmern sollte“.

Dabei kämen nicht nur „technische“ Risiken in Betracht. Die Aufgabe des Risikomanagers sei es, jeden Stakeholder zu betrachten; sei es die Öffentlichkeitsarbeit, der spätere Betrieb, oder Politiker, die Einfluss nehmen.

Der 6-Wochen Rhythmus

Der sechs-Wochen Rhythmus in der Risikobetrachtung sei einer der Erfolgsfaktoren. Alle sechs Wochen wird die Risikiosituation durchgesprochen und berichtet. Auf die Frage, ob man sich immer an diese sechs Wochen Regelung halte, sagt Mohren „Diese sechs Wochen Meetings haben in jüngster Zeit IMMER stattgefunden“. Sechs Wochen seien ein guter Zeitabstand, um der zyklischen Natur der Risiken Rechnung zu tragen.

Sich zusammensetzen und über die Risiken reden

So ist laut Mohren auch die Zielerreichung in den Projekten besser geworden. „Alleine schon, wenn ich mich mit jemandem zusammensetze und über Themen rede, kommen ganz oft diese „Aha“- Momente, dieses „Mist-da muss ich ja auch noch dran denken“- Gefühl“.

Ganz entscheidend für gelungenes Risikomanagement sei die Führungskultur. Man müsse sich im Klaren sein, dass es keine 100%-Lösung gibt und dass der Erfolg des Risikomanagements auch nur schwer messbar ist. Das sei auch der Grund dafür, dass in vielen Projekten Risikomanagement zwar angedacht sei, aber nicht konsequent durchgezogen wird.

Die Erwartungshaltung ans Risikomanagement ist oft zu hoch

Ein weiteres Problem ist auch die zu hohe Erwartungshaltung ans Risikomanagement. Man könne nie alle möglichen Risiken erkennen und ausschließen.

Das Los des Risikomanagers sei es, dass er sich für die Ausarbeitung des Plan B häufig rechtfertigen müsse, besonders dann, wenn dieser Plan B auch noch Geld kostet. Aber wenn der Plan B benötigt wird und den erwünschten Nutzen bringt, dann ist man der Held.

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Der Podcast mit PMP-Fragen, für alle Projektleiter und solche, die es werden wollen
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Interessante Links

Die Online-Ausbildung im Risiko-Management: Der Risiko-Profi

Die Zehn Mythen des Risikomanagements – von Dr. David Hillson

Risikomanagement ist keine 100% Lösung, man sollte immer auch mit „Schwarzen Schwänen“ rechnen.

(MPOD057) Letzte Aktualisierung: 03. Dezember 2018, (c) Copyright by Gita GmbH Herrsching.