Wenn Sie bei Google Projektmanagement Zertifizierung eingeben, erscheinen tausende Treffer. Aber Ihnen wird schnell auffallen, dass einige Zertifikate klar hervorstechen: PMP von PMI; IPMA von ICP; und PRINCE2 von AXELOS. Welches ist nun das richtige für Sie?

Von Thomas Wuttke, PMP

Wenn Sie sich die drei Zertifzierungen genauer anschauen, werden Sie schnell eine deutliche Gewichtung feststellen: Das PMP-Examen, das auf dem PMBOK Guide aufbaut, und die GPM/IPMA-Zertifizierung nach ICP sind höher gewichtet als PRINCE2 von Axelos, welches eher in England und den Niederlanden seine Anhänger findet.

Daneben gibt es noch viele kleinere Zertifizierungsmöglichkeiten. So bietet z.B. die IHK eine eigene Zertifizierung an, die im internationalen Umfeld jedoch bedeutungslos ist.

Welches ist nun die beste Projektmanagement-Zertifizierung?

Es gibt viele Zertifikate im Projektmangement - Doch welches ist das wichtigste?

Es gibt viele Zertifikate im Projektmanagement – Doch welches ist das wichtigste?

Die Antwort, die Sie jetzt von allen hören werden: „Kommt drauf an“. Und so ist es auch. In erster Linie kommt es darauf an, was in Ihrer Firma grad „in“ ist.

Den PMBOK Guide von PMI mit seinem PMP-Examen findet man vor allem im US-Amerikanischen und asiatischen Raum, während ICP mit seinen 4 IMPA-Zertifizierungsgraden eher in Europa angesiedelt ist.

Wer also oft mit Übersee zu tun hat, der ist beim PMI besser aufgehoben. Wer seine Projekte dagegen ausschließlich im Innereuropäischen oder gar deutschen Raum sieht, für den könnte die ICP das interessantere Framework bieten.

PRINCE2 entdeckt man dagegen häufiger bei Telekommunikationsunternehmen. Oft als Insellösung in bestimmten Bereichen. In UK hingegen findet sich die von Axelos erfundene Methode auch häufig in Regierungsprojekten.

Welches Zertifikat ist am meisten wert?

Diese Diskussion ist ein heißes Eisen. Hier streiten sich die ICP und das PMI um den ersten Platz. PRINCE2 – und weitere regionale Methoden wie Hermes 5 – liegen hier weit hinter den beiden großen Prozessrahmenwerken. Das hat zum einen mit der Verbreitung, zum anderen aber auch mit den Voraussetzungen zu tun, die Anwärter auf ein Zertifikat mitbringen müssen, um überhaupt zur Prüfung zugelassen zu werden.

Die Arbeit Lohnt sich: Mit Zertifizierung bekommt man deutlich mehr Gehalt

Die Arbeit Lohnt sich: Mit Zertifizierung bekommt man deutlich mehr Gehalt

Was PMBOK Guide und ICP gemeinsam haben: Sie bieten jeweils eine Art Einstiegszertifizierung und dann weiterführende Zertifikate wie den PMP. Bei PMI heißt der Einsteig, mit dem man sich zum Projektmitarbeiter zertifizieren kann, CAPM.
Die ICP (IPMA Competence Baseline) hingegen hat ihren IPMA in 4 Level aufgeteilt. Während Level D einen „Fachmann im Projektmanagement“ auszeichnet, zeigt Level A der International Project Management Association, wie IPMA ausgesprochen heißt, dass man zur Leitung eines komplexen Projektes Qualifiziert ist.

Wenn Sie sich die Gehaltstabellen in einschlägigen Medien anschauen, dann bekommt der PMP am meisten in die Lohntüte, dicht gefolgt vom GPM/IPMA-Level-A-Zertifizierten. Weiter hinten reihen sich dann die Kollegen mit PRINCE2 ein. Klar ist jedoch, dass das Lohnniveau mit Zertifizierung immer deutlich höher ist als ohne.

Welche Voraussetzungen müssen mitgebracht werden?

Bei den meisten Zertifizierungen im Projektmanagement werden bestimmte Anforderungen an Schulabschluss und Projekterfahrung gestellt.

Die GPM, der deutsche Vertreter der IPMA, fordert für das Einsteigerzertifikat „Projektmanagement- Fachmann/Fachfrau“ (Level D) eine Schul- und Berufsausbildung sowie Berufserfahrung. Wenn Sie sich von der GPM jedoch zum „Project Director“ (IPMA Level A) zertifizieren lassen wollen, müssen Sie mindestens 5 Jahre Erfahrung im Mehrprojekt- und Programmmanagement mitbringen. Davon müssen Sie 3 Jahre in einer Leitungsfunktion für Koordination und Portfoliomanagement von Projekten nachweisen können.

Das PMI geht da einen ähnlichen Weg: Für die Einstiegsqualifizierung zum CAPM (Certified Associate in Project Management) brauchen Sie Abitur und 1.500 Stunden Mitarbeit in einem Projektteam oder aber eine 23stündige Schulung als Voraussetzung.

Wollen Sie hingegen PMP werden, ist die Messlatte schon deutlich höher gesteckt. Hier fordert das PMI Abitur mit 5-jähriger Projektmanagementerfahrung, davon 7.500 Stunden in verantwortlicher Position. Mit Hochschulabschluss brauchen Sie mindestens 3 Jahre Projektmanagementerfahrung, wovon Sie 4.500 Projektstunden in leitender Position nachweisen müssen.

In beiden Fällen verlangt das PMI, dass Sie zusätzlich 35 Stunden in der Schulung der Inhalte des PMBOK Guides sowie des Ehrencodex „Code of Conduct“ nachweisen können.


Über den Autor

Thomas Wuttke, PMP, PMI-RMP, PMI-ACP, CSM war für drei Jahre im Board of Directors für Zertifizierung bei PMI in Philadelphia tätig und hat seit 1999 viele tausend PMPs erfolgreich ausgebildet. Seinen eigenen PMP hat er 1996 in Boston abgelegt – damals noch mit 8 Stunden Prüfungszeit. Im Jahre 2004 erschien die erste Auflage des Buches „Das PMP-Examen“. Details zur aktuellen Auflage und Hinweise zur Bestellung über den Buchhandel gibt es hier.


Weiterführende Links

Alle Antworten rund um das Thema PMP finden Sie in unserem zentralen MagazinbeitragPMP werden und bleiben – ein Ratgeber

Weitere Artikel rund um Zertifizierung um Projektmanagement nach PMI:

Höchst effektive Vorbereitung auf die PMP-Prüfung, entweder pur online, geführt in der Gruppe im Blended Learning oder im 1:1 Coaching mit Thomas Wuttke? Nähere Infos auf unserer Webseite www.wuttke.team/pmp

Eine Zusammenfassung der verschiedenen Projektmanagementansätze als Podcast:

(M034) Letzte Aktualisierung: 7.Juni 2018, (c) Copyright by Gita GmbH Herrsching
PMI und PMP sind geschützte Warenzeichen des Project Management Institutes, Newtown Square, USA