Wer sich zur PMP-Prüfung anmeldet, muss umfangreiche Angaben zur Erfahrung machen. Und diese Angaben schaut sich PMI an – und bei jedem 10. Prüfling sehr gründlich.

Von Thomas Wuttke, PMP

Prüfungs- und Auditprozess

PMP-audit-Examen-pruefung

Audit PMP-Examen

Exakt 10% der Prüfungsanmeldungen zum PMP-Examen gehen ins Audit und werden näher hinterfragt. Es macht also keinen Sinn, hier auf Lücke zu wetten und irgendwas in den Erfahrungsbericht zu schreiben, das später nicht haltbar wäre. Im Prozess der Prüfungsanmeldung entscheidet sich die Frage ob oder ob nicht PMP Audit in dem Moment, nachdem die Prüfungsunterlagen abgeschickt werden. Bitte beachten: Wer den „Submit“-Button für die Prüfungsunterlagen gedrückt hat, muss sowieso ca. eine Woche warten. In dieser Woche erfolgt eine formale Vorprüfung der Prüfungsanmeldung: Ist alles in English geschrieben? Und sind die Rahmendaten okay?

 

Audit jederzeit – auch nach der Prüfung!

Wer nach der Bezahlung der Prüfungsgebühr zum nächsten Prozessschritt („Vereinbaren Sie nun Ihren Prüfungstermin“) durchgewunken worden ist, kann allerdings nicht sicher sein, nicht doch noch auditiert zu werden. PMI behält sich ausdrücklich das Recht vor, jederzeit nach der Anmeldung ein Audit durchzuführen. Selbst nach einer abgelegten PMP-Prüfung ist es noch möglich, dass Sie auditiert werden.

Die gute Nachricht: Sie haben 90 Tage Zeit, Ihre Nachweise zu erbringen. Und das PMI liefert eine recht genau „Audit-Anleitung, die Sie dann Schritt für Schritt abarbeiten können. Und wenn Sie sich dann auch von Anfang an gut vorbereitet haben (s.u.), dann ist auch gar keine Panik nötig.

Ins Audit gekommen

Sind Sie erst einmal für das Audit ausgewählt worden, passieren jetzt zwei Dinge:

Erstens werden die Angaben, die Sie gemacht haben, inhaltlich geprüft. Sind die Angaben dazu geeignet, die erforderliche Erfahrung abzuleiten? Haben Sie die Projekte korrekt beschrieben? Sind das Projekte im Sinne der Prüfungsrichtlinien oder haben Sie womöglich Tagesgeschäft dokumentiert? Waren Sie in verantwortlicher und lenkender Position bei den dokumentierten Projekten oder nur Kaffeekocher des Gesamtprojektleiters?

Zweitens müssen die Personen, die Sie als Referenz genannt haben, die gemachten Angaben unterschreiben bzw. bestätigen. Dazu wird Ihnen Ihre „Experience“ als PDF-Dokument zur Verfügung gestellt und Sie gehen dann Unterschriften sammeln.

Am Ende schnüren Sie ein kleines Audit-Paket und senden alle Unterlagen mit der normalen Landpost in die USA zur PMI-Zentrale. Das klingt erstmal umständlich, aber nach einer Woche war in vielen Fällen schon wieder das Okay gegeben.

Die gute Nachricht: Sie haben 90 Tage Zeit, Ihre Nachweise zu erbringen. Und das PMI liefert eine recht genaue „Audit-Anleitung, die Sie dann Schritt für Schritt abarbeiten können. Und wenn Sie sich von Anfang an gut vorbereitet haben, dann ist auch alles gut.

Denken Sie dran: Bei ca. einer dreiviertel Million zertifizierter PMPs haben schon weit mehr als 100.000 Leute dieses Prozedere schon erfolgreich gemeistert (Kleiner Trost 🙂 )

Von Anfang an vorbereitet sein

Da Sie unmöglich vorhersehen können, ob Sie ins Audit kommen oder nicht, ist es am besten von vornherein darauf vorbereitet zu sein. Das heißt:

  • Geben Sie in der Anmeldung nur Erfahrungen an, die Sie auch nachweisen können.
    Wenn die Firma nicht mehr existiert und/oder Sie niemanden haben, den Sie als Referenz angeben können, lassen Sie es im Zweifelsfalle eher weg. Denken Sie aber auch daran, dass ein Sponsor nicht unbedingt der Auftraggeber des Kunden sein muss. Sponsoren sind in 95% der Fälle intern…
  • Haben Sie die Referenzen parat.
    Eine Referenz für eine Berufserfahrung ist immer eine natürliche Person mit E-Mail und Telefonnummer. Kann aber auch Ihr Kollege sein…
  • Beschreiben Sie Ihre Erfahrungen (Position und Art der Arbeit) wie gefordert.
    Aus einer einfachen Bezeichnung „Consultant“ geht nicht hervor, ob Sie in dem Projekt in verantwortlicher Position beteiligt waren oder nicht. Und machen Sie vor allem klar, dass die beschriebene Erfahrung Teil eines Projektsist und nicht mit Tagesgeschäft verwechselt werden kann.
  • Es geht ums Projektmanagement, nicht um das Projektprodukt.
    Noch mal ganz deutlich: Was am Ende Ihres Projekts als Produkt rausgekommen ist, interessiert im Audit nur am Rande. Wichtig ist, dass klar wird, was Sie an Management im Projekt geleistet haben. Also die Projektmanagementtätigkeiten sind wichtig. Und nur die.
  • Haben Sie Ihre Kursnachweise zur Hand.
    Schließlich müssen Sie Ihre 35 Contact Hours an Projektmanagementschulung auch nachweisen. Und das am besten durch entsprechende Zertifikate, die die Teilnahme bescheinigen.

Kann man durch das PMP-Prüfungsaudit fallen?

Leider ja. Und in letzter Zeit immer häufiger. PMI prüft die Anmeldung sehr genau und wer das Audit nicht besteht, ist eben durch das Audit gefallen.

Was sind die Gründe?

Ein erster, einfacher und , formaler Grund dafür, durch das Audit zu fallen: Die Firsten werden wurden nicht eingehalten. Sie haben eigentlich genug Zeit, Ihr Material zusammenzusuchen und in die USA zu schicken – vor allem, wenn Sie sich an unsere Tipps gehalten haben. Aber trotzdem kommt es vor, dass die Frist verstreicht.

Ein zweiter etwas komplizierterer Grund ist das Nichtbestehen des Audits aus fachlich-formalen Gründen. Für diesen Fall haben wir einen ganzen Artikel über die inhaltlichen Gründe, das Audit nicht zu bestehen. Und ein konkretes Beispiel dazu.

Durchs PMP-Audit gefallen – und dann?

Sollten Sie durch das Audit zur PMP-Prüfung fallen, erhalten Sie auf Antrag die Prüfungsgebühr zurück. Haben Sie die Prüfungsgebühr noch gar nicht bezahlt, weil das Audit vor der Bezahlung kam, ist auch kein finanzieller Schaden entstanden. Werden Sie nach dem Bezahlen der Prüfungsgebühr auditiert und fallen durch, wird die Gebühr abzüglich 100 US$ Bearbeitung erstattet.

Je nach Grund können Sie entweder sofort nochmals die Prüfung beantragen oder müssen warten. Sollten Sie erneut beantragen, wird Ihre Anmeldung definitiv nochmals auditiert


Über den Autor

pmp-audit-pruefungs-profi

Thomas Wuttke, PMP, PMI-RMP, PMI-ACP, CSM war für drei Jahre im Board of  Directors für Zertifizierung bei PMI in Philadelphia tätig und hat seit 1999 viele tausend PMPs erfolgreich ausgebildet – über 90% davon in Deutsch. Seinen eigenen PMP hat er 1996 in Boston abgelegt – damals noch mit 8 Stunden Prüfungszeit. Im Jahre 2004 erschien die erste Auflage des Buches „Das PMP-Examen“. Details zur aktuellen Auflage und Hinweise zur Bestellung über den Buchhandel gibt es hier.


Weitere Links

Alle Antworten rund um das Thema PMP finden Sie in unserem zentralen MagazinbeitragPMP werden und bleiben – ein Ratgeber

Ein Artikel der sich mit der Frage beschäftigt, was kann ich tun, wenn ich durch das PMP-Audit durchgefallen bin? – Durchgefallen durch das PMP-Audit

Wie kann ich es vermeiden, durch das PMP-Audit zu fallen? – Durchgefallen im PMP-Audit – Ein konkretes Beispiel

Höchst effektive Vorbereitung auf die PMP-Prüfung, entweder pur online, geführt in der Gruppe im Blended Learning oder im 1:1 Coaching mit Thomas Wuttke? Nähere Infos auf unserer Webseite www.wuttke.team/pmp

(M006) Letzte Aktualisierung: 05.September 2018, (c) Copyright by Gita GmbH Herrsching
PMI und PMP sind geschützte Warenzeichen des Project Management Institutes, Newtown Square, USA