Sie haben sich vorbereitet, sind angetreten – und dann durch die PMP-Prüfung gefallen. Wie geht es jetzt weiter? Wir haben Informationen und Tipps für die nächsten Schritte.

Von Thomas Wuttke, PMP

Durchgefallen

Ohne Frage: Durchfallen ist immer – doof. Da spielt es keine Rolle, ob Sie die Nachricht gleich im Testzentrum bekommen oder im Falle eines anderen Testverfahrens auch erst Wochen später. Durchgefallen ist Durchgefallen und natürlich bricht einem da ein Zacken aus der Krone.

Je nach Ihrem Naturell folgen jetzt Trotz, Resignation, Enttäuschung oder auch Gleichgültigkeit. Die Situation ist ohne Frage stressig.  Das geht jedem so. Umso wichtiger ist es, dass Sie das Ziel einer erfolgreichen PMP-Zertifizierung nicht aus den Augen verlieren und nicht die Flinte ins Korn werfen.

Durchatmen

Nehmen Sie sich ein Wochenende, vielleicht auch eine Woche, Zeit, um Abstand zu gewinnen. Lassen Sie den PMP für eine Weile PMP sein und konzentrieren Sie sich auf etwas anderes. Warum? Weil die Aufregung und Frustration des Moments schnell zu falschen Reaktionen führen kann – und weil es sich unter so einem negativen Vorzeichen auch schlecht für die Prüfungswiederholung lernt.

Wenn aus der einen Woche auch zwei werden – immer noch kein Problem. Aber nach 14 Tagen ist Schluss mit trauern und dann geht’s weiter. Hinfallen – Aufstehen – Krone richten und nächster Anlauf.

Leider ist das Feedback von PMI zu den Gründen des Nichtbestehens nicht sehr hilfreich. Es gibt eine vage Bewertung entlang der fünf Performance Domains. Als gezielte ToDo-Liste für die Nachprüfung eignet sich dieses Papier in keiner Weise.

Das Wiederholungsverfahren

Im pmi.org-Mitgliederbereich ist die Prüfungswiederholung nur einen Klick und eine Kreditkartenzahlung entfernt. Sie müssen nicht nochmals alle Erfahrung angeben, auch erfolgt keine erneute Bewertung Ihrer Unterlagen. Klicken, zahlen, Termin vereinbaren.

Innerhalb Ihres „Eligibility-Jahres“ (das sind die 12 Monate nach der Anmeldung zur Prüfung) haben Sie insgesamt drei Versuche, von denen aber jeder einzelne gebührenpflichtig ist. Aktuell beträgt die Wiederholungsgebühr 50% des regulären Preises. Wenn Sie die Prüfung das erste Mal nicht bestanden haben, haben Sie ergo noch zwei weitere Versuche frei.

Sie können PMI auch um eine Verlängerung Ihres Eligibilty-Jahres bitten und PMI gewährt einmalig, kulanzweise und kostenlos eine Verlängerung von bis zu 3 Monaten. Dazu ist eine kurze Mail an customercare.emea@pmi.org erforderlich, die Ihre PMI-ID, Eligibility-ID sowie den (guten) Grund für die Verlängerung (Extension) beinhaltet. Die Antwort erhalten Sie innerhalb von ein paar Tagen.

Im unwahrscheinlichen Fall, dass Ihnen auch diese insgesamt drei Versuche nicht zum Bestehen ausreichen, können Sie nach einer Wartezeit von einem Kalenderjahr das ganze Prozedere komplett neu starten: Gehen Sie zurück auf Los und reichen die ganzen Unterlagen –inklusive der gesamten Prüfungsgebühr – erneut ein.

Warum man durchfällt

Niemand weiß genau, wieviel Prozent man in der PMP Prüfung richtig haben muss, um zu bestehen. Wörtlich heißt es dazu, dass die Bestehungsschwelle an irgendwelche Gegebenheiten dynamisch angepasst wird.  Es wird vermutet, dass sich diese „Bestehensschwelle“ innerhalb eines Jahres in die eine oder andere Richtung verschiebt. Das ist aber eine rein subjektive Einschätzung und kann nicht belegt werden.

In meiner Zeit als Mitglied im Board of Directors für Zertifizierung von PMI wurde aber seitens PMI  klar die Politik verfolgt, dass immer eine gewisse Zahl von Durchfallern erwünscht ist, um die Wertigkeit der Prüfung und des Zertifikats sicherzustellen. Vielleicht haben Sie ja nur ein wenig Pech gehabt haben und sind gerade in so eine Verschiebung der Bestehensschwelle geraten?

Trotzdem wage ich einen Tipp und behaupte, dass von den 175 Fragen die zum Ergebnis zählen so um die 110 richtig beantwortet werden sollten.

Eine Mannschaft verliert nicht wegen des Schiedsrichters

Im Fussball heißt es: Eine Mannschaft verliert nicht, weil eine Schiedsrichterentscheidung ungünstig verlief. Meist hat die Mannschaft „die Punkte schon vorher auf dem Rasen gelassen“.

Es ist aber wie im Fußball. Eine Mannschaft verliert nicht, weil eine Schiedsrichterentscheidung ungünstig verlief. Meist hat die Mannschaft „die Punkte schon vorher auf dem Rasen gelassen“. Das sagen zumindest die guten Trainer und die einsichtigen Spieler. Wo haben Sie die Punkte auf dem Rasen gelassen?

Strategie und Taktik der Prüfungswiederholung

Beantworten Sie sich vor allem zwei Fragen: Mit welchen Themen hatten Sie fachliche Schwierigkeiten? Hat Ihr Zeit- und Aufmerksamkeitsmanagement funktioniert? Wenn nicht, was können Sie besser machen?

Fachliche Schwierigkeiten. Das Prüfungsfeedback geht ja leider nicht ins Detail. Notieren Sie sich also so schnell wie möglich nach der Prüfung, ob es Themen gab, mit denen Sie Probleme hatten. Die sollten Sie sich bei der Vorbereitung auf die Prüfungswiederholung dann besonders anschauen.

Zeit und Aufmerksamkeit. Wie sind Sie zeitlich mit den 200 Fragen und den vier Stunden klargekommen? Hatten Sie Zeit und Konzentration übrig, um markierte Fragen noch einmal anzuschauen? Müssen Sie vielleicht mehr Pausen machen? Oder weniger?

So schnell wie möglich in die Wiederholung

Der vielleicht wichtigste Tipp: Melden Sie sich so schnell es geht wieder an. Warum? Damit sich das bisher Gelernte nicht wieder verflüchtigt.

Gerade wenn wir frisch aus der Vorbereitung kommen überschätzen wir gerne, wie viel wir vom Gelernten behalten werden. Und das ist gefährlich! Ohne Wiederholung vergessen Sie erstaunlich schnell wieder – besonders, wenn viele Begriffe und Konzepte neu waren. Es gibt psychologische Untersuchungen zur sogenannten Vergessenskurve, die diesen Sachverhalt belegen.

Bitte beachten Sie, dass die Prüfung bei jedem Durchgang jedes Kandidaten wieder neu aus einem Fragenpool zusammengestellt wird. Fixieren Sie sich daher nicht ausschließlich auf die Themen Ihres ersten Durchgangs, die Wiederholung könnte ganz anders aussehen. Themen, bei denen Sie fachliche Schwierigkeiten hatten, sollten Sie sich natürlich auf alle Fälle noch einmal anschauen. Und die Notizen dazu haben Sie ja gemacht.

Ansonsten gilt: Lernen Sie so, als ob Sie sich auf Ihren ersten Versuch vorbereiten würden.

Und damit: Toi, toi, toi für Ihren nächsten Anlauf!


Über den Autor

Thomas Wuttke, PMP, PMI-RMP, PMI-ACP, CSM war für drei Jahre im Board of  Directors für Zertifizierung bei PMI in Philadelphia tätig und hat seit 1999 viele tausend PMPs erfolgreich ausgebildet – über 90% davon in Deutsch. Seinen eigenen PMP hat er 1996 in Boston abgelegt – damals noch mit 8 Stunden Prüfungszeit. Im Jahre 2004 erschien die erste Auflage des Buches „Das PMP-Examen“. Details zur aktuellen Auflage und Hinweise zur Bestellung über den Buchhandel gibt es hier.


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(MPMP14) Letzte Aktualisierung: 13.Juni 2018, (c) Copyright by Gita GmbH Herrsching
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