Ist der Begriff „risikobasierte Entscheidungsfindung“ der Richtige? Oder und alle Entscheidungen risikobasiert?: Risk-Doctor-Briefing mit einem Beitrag von Dr. David Hillson.

Im Jahr 2019 erschien dieses Risk-Doctor-Briefing im Netzwerk der von Dr. David Hillson gegründeten Risk Doctor Partnership. Übersetzung und Bearbeitung von Thomas Wuttke, dem deutschen Mitglied der Risk-Doctor-Partnership.

Die Idee der „risikobasierten Entscheidungsfindung“ wird immer beliebter. Entscheidungsträger auf allen Ebenen versuchen, in ihren Entscheidungen die Risiken angemessen zu berücksichtigen. Aber vielleicht ist der Begriff „risikobasierte Entscheidungsfindung“ ungeschickt. Denn alle Entscheidungen sind per Definition risikobasiert.

Wann immer wir eine Entscheidung treffen müssen, sind immer zwei wichtige Aspekte vorhanden: Jede Entscheidung ist mit Unsicherheit verbunden, und das Ergebnis jeder Entscheidung ist entscheidend.

Alle Entscheidungen beinhalten Unsicherheiten

Wenn es keine Unsicherheit gibt, dann brauchen wir auch keine Entscheidung zu treffen. Wenn es nur eine Option gibt, braucht man nicht wählen. So können wir beispielsweise nicht „entscheiden“, ob wir gesetzliche Anforderungen erfüllen oder ob wir unsere Steuern zahlen. Wenn ein Kunde auf einen wesentlichen Aspekt der Spezifikation besteht, ohne den das Projekt nicht abgenommen wird, dann „entscheiden“ wir nicht, ob wir es tun sollen. Wo immer wir eine definierte Anforderung, Einschränkung oder Verpflichtung haben, ist keine Entscheidung erforderlich. Wir müssen nur das tun, was getan werden muss.

Und selbst wenn wir alternative Optionen hätten: Ist eine Option überwältigend besser als alle anderen, trifft sich die „Entscheidung“ quasi von selbst. Für den Entscheidungsträger ist das ein „No-Brainer“, der keiner Analyse oder Überlegung bedarf.

Unsicherheit ist allen wahren Entscheidungen inhärent. Das heißt, wir müssen zwischen verschiedenen Optionen wählen, bei denen es keinen klaren besten Weg gibt, bei denen die Resultate nicht vollständig bekannt sind oder bei denen wir nur unvollständige Informationen zur Unterstützung unserer Entscheidung haben. Wir müssen unter den gegebenen Rahmenbedingungen die bestmögliche Entscheidung treffen.

Die Ergebnisse sind wichtig

Manchmal werden wir um Entscheidungen gebeten, bei denen das Ergebnis nicht wirklich wichtig ist. Wenn das Ergebnis keine Rolle spielt, dann ist dies keine wirkliche Entscheidung. Wenn wir beispielsweise zwei gleich kompetente Subunternehmer haben, die die gleiche Leistung zum gleichen Preis anbieten, können wir einen von beiden wählen. Projektdesigner bieten zwei alternative technische Lösungen mit gleichem Risiko, die beide die erforderliche Funktionalität mit ähnlichem Zeit- und Kostenrahmen liefern und beide im Rahmen der Möglichkeiten unseres Teams liegen. Wähle einfach einen aus, es spielt keine Rolle!

Wahre Entscheidungen sind nur dann erforderlich, wenn das Ergebnis zählt. Wenn das Überleben unseres Unternehmens davon abhängt, ob wir eine bestimmte Investition tätigen oder nicht, oder wen wir als Joint-Venture-Partner wählen. Dann sollten wir die richtige Entscheidung treffen. Wenn die Wahl der Teststrategie entscheidet, ob wir ein fehlerfreies Produkt vertrauensvoll liefern können, müssen wir es richtig machen.

Alle Entscheidungen sind riskant

Alle Entscheidungen sind mit Unsicherheit behaftet, und immer sind die Ergebnisse der Entscheidungen bedeutsam. Wenn wir uns daran erinnern, dass Risiko auch als „Entscheidende Unsicherheit” definiert ist, wird deutlich, dass alle Entscheidungen riskant sind. Das bedeutet, dass jede wahre Entscheidung risikobasiert sein muss. Zu einemEntscheidungsprozess gehört:

  • Definieren Sie die Entscheidungsziele klar und unmissverständlich. Warum müssen wir genau diese Entscheidung treffen? Wie werden wir den Erfolg messen?
  • Überlegen Sie, wie riskant jede der Entscheidungsalternativen ist, indem Sie den Grad der Unsicherheit und die Art der möglichen Konsequenzen bewerten.
  • Wählen Sie diejenige Option, die das Risikopotenzial minimiert und gleichzeitig die Chancen auf Erreichung der erforderlichen Entscheidungsziele maximiert.
  • Implementieren Sie ihre Entscheidung, indem Sie sie in konkrete Maßnahmen umsetzen (mit definierten Verantwortlichkeiten) und aber auch mit den Betroffenen sprechen.
  • Überwachen Sie die Ergebnisse der Entscheidung in Bezug auf Ihre Ziele, um sicherzustellen, dass die Dinge wie erwartet laufen. Wenn nicht, müssen Sie möglicherweise Korrekturmaßnahmen ergreifen und/oder eine andere Entscheidung treffen.

Wenn alle wahren Entscheidungen riskant sind, dann müssen alle Entscheidungen risikobasiert sein. Vielleicht sollten wir also aufhören, den Begriff „risikobasierte Entscheidungsfindung“ zu verwenden?


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(MRDB135) Letzte Aktualisierung: 06. November 2019, (c) Copyright by Gita GmbH Herrsching.