Ja, man kann die PMP Prüfung auf Deutsch ablegen. Allerdings kursieren um diese deutsche Übersetzung ein paar Halbwahrheiten, die wir hier unter die Lupe nehmen. Denn: Die muttersprachliche Übersetzung ist sinnvoll und spart wertvolle Zeit während der 4stündigen PMP-Prüfung. 

Von Thomas Wuttke, PMP

PMP – auf Deutsch oder Englisch?

Unser PMP-Maskottchen "Heinz"

Unser PMP-Maskottchen „Heinz“

Grundsätzlich: Prüfungssprache des PMP-Examens ist immer Englisch. Das können Sie auch gar nicht abwählen oder ausblenden. PMI bietet aber Übersetzungshilfen an. Warum „Übersetzungshilfen“? Ich nehme an, das hat vor allem haftungstechnische Gründe. Sollte sich doch ein Übersetzungsfehler eingeschlichen haben, dann war das eben nur eine unverbindliche Hilfe…

Übrigens ist als Übersetzungshilfe nicht nur Deutsch im Angebot. Es gibt die PMP-Prüfung in mindestens einem Dutzend weiterer Sprachen: Arabisch, Portugiesisch, Chinesisch, Französisch, Hebräisch, Italienisch, Japanisch, Koreanisch, Russisch und Spanisch.

In diesen Sprachen existiert ein offizielles Glossar, also die Übersetzung der Fachbegriffe in die jeweilige Landessprache. Und dieses Glossar bildet die Grundlage für die „Übersetzungshilfe“.

Wie stellt sich die Übersetzung in der Prüfung dar?

PMP Prüfung auf Deutsch

PMP Prüfung auf Deutsch

Da Sie die englische Originalfrage nicht abwählen können, sehen Sie immer beide Versionen: Deutsch und Englisch. Als Prüfungskandidat sehen Sie also zunächst die Frage in der gewählten Übersetzung und direkt darunter die vier Antwortmöglichkeiten (auch in der gewählten Übersetzung).

Darunter dann die englische Originalfrage mit den englischen vier Antwortmöglichkeiten.

Und erst dann kommen darunter die Radiobuttons für die vier Antwortmöglichkeiten. Dort, am Ende der ganzen Litanei, geben Sie dann hoffentlich Ihren richtigen Lösungstipp ab.

Vorteil: Lange PMP Prüfungsfragen schneller erfassen

PMP Fragen sind halbe Romane

PMP Fragen sind halbe Romane

Die Prüfungsfragen für die PMP-Zertifizierung wurden in den letzten Jahren immer länger und sind inzwischen zu halben Romanen angewachsen. Da werden irgendwelche Stories erzählt, dass „…Sie nun ein Projekt übernommen haben und dann passiert x gefolgt von y usw. „. Schlimmer noch: Es kann passieren, dass jede der vier Antwortmöglichkeiten ebenfalls in einen kleinen Roman mutiert.

In einem anderen Beitrag in unserem Magazin beschäftigen wir uns etwas näher mit den Fragetypen im Examen, da sehen Sie auch Beispiele.

Jetzt kommt aber der Punkt: Lange Textpassagen lassen sich einfacher in Ihrer Muttersprache erfassen, egal wie gut Ihr Englisch ist. Die Rückmeldungen von Prüflingen belegen eindeutig, dass die Nachteile (siehe weiter unten) das kleinere Übel sind.

Ein Fakt, der eindeutig für die deutsche Übersetzung spricht.

1. Nachteil: Übersetzung bedeutet Scrollen

Um eine Frage zu beantworten, müssen Sie ans Ende der Seite scrollen, also deutsche Frage, deutsche Antworten, englische Frage, englische Antworten und dann erst Tipp abgeben.  Der „Scrollaufwand“ pro Frage addiert sich bei 200 Prüfungsfragen zu ein paar Minuten auf.

Der erste Nachteil der PMP-Prüfung mit deutscher Übersetzungshilfe.

2. Nachteil: Übersetzungsqualität

Die Übersetzungsqualität scheint in den letzten Jahren leider wieder schlechter geworden zu sein und beinhaltet nach Rückmeldung von Prüflingen auch Grammatikfehler. Ursprünglich hatte PMI einmal spezielle Task Forces eingerichtet, deren Mitglieder sowohl Muttersprachler der jeweiligen Übersetzung waren als auch zertifizierte PMPs. Anscheinend sind diese Task Forces nicht mehr in dem Umfang aktiv, wie sie es mal waren.

Eine Teilnehmer schrieb im Jahr 2017 an uns zurück:

…Die deutsche Übersetzung hatte definitiv einen grammatikalischen Fehler, der den Sinn der Frage entstellt hatte. Ein Blick in die englische Frage hat dann das Rätsel aufgelöst… 

Ein zweiter Nachteil der deutschen PMP-Prüfung. Ob das noch immer Bestand hat oder ob die Task Forces wieder ihre Arbeit aufgenommen haben, können wir hier nicht sagen. Und ganz klar: Die Rückmeldung oben ist eine Rückmeldung zu einer einzelnen Frage.

Was jetzt? PMP auf Deutsch oder nicht?

Ein Vorteil und zwei Nachteile. Aber: Die Übersetzung ist nicht so schlecht, dass ich an dieser Stelle davon abraten würde. Und das Scrollen raubt hochgerechnet weniger als fünf Minuten.

Dagegen steht der zeitliche Vorteil, die Frage erst einmal schnell zu erfassen: Was wollen die überhaupt von mir?

Der Vorteil überwiegt. Oder mathematisch ausgedrückt: Scrollen und ein paar unsaubere Formulierungen sind immer noch besser als ellenlange Fragen in Englisch verstehen zu wollen. Das haben inzwischen hunderte von Kandidaten bestätigt.

Deutsche PMP-Vorbereitung?

Unabhängig von der deutschen Übersetzung in der PMP Prüfung gibt es ja auch noch die Frage nach der Vorbereitung. Was ist da der geschickteste Weg?

Nachdem wir seit 1998 weit über 1000 Kandidaten auf das PMP-Examen bzw. die PMP-Prüfung vorbereitet haben, empfehlen wir uneingeschränkt die deutsche Vorbereitung. Warum? Weil wir 95% davon in Deutsch vorbereitet haben und die Kandidaten gut damit gefahren sind.

Warum hält sich dann hartnäckig das Argument, das PMP-Examen sei nur auf Englisch abzulegen und deswegen auch am Besten auf Englisch vorzubereiten? Nun, vielleicht gibt es ja da auch kommerzielle Interessen? Wer nur englisches Trainingsmaterial hat und die Investition in den deutschen Stoff bisher gescheut hat, wird nicht gerade ein glühender Verfechter der deutschen Vorbereitung sein…

Also was jetzt? Nun, unsere Empfehlung ist glasklar: Machen Sie auch die Vorbereitung in Ihrer Muttersprache und lernen Sie die englischen Fachbegriffe quasi wie Vokabeln dazu.

Wo wird angegeben, ob und welche Übersetzung gewünscht ist?

Achtung! Diese Angabe erfolgt unglaublicherweise an nur einer Stelle: Während des Bezahlvorgangs zur Prüfung. Dort – und nur dort – kommt die Frage nach einer gewünschten Übersetzungshilfe.

Nach dem Bezahlvorgang erhalten Sie auch eine E-Mail, die die gemachten Angaben zusammenfasst. Bitte prüfen Sie unbedingt diese E-Mail, wir hatten schon ein paar Mal den Fall, dass die gemachten Angaben nicht korrekt übernommen wurden. Änderungen müssen dann über PMI Customer Care erfolgen.

Entdecken Sie den Fehler aber erst während der Prüfung, ist eine Änderung nicht mehr möglich und Sie bekommen noch vier Nachhilfestunden in Englisch kostenlos dazu 🙂


Über den Autor

Thomas Wuttke, PMP, PMI-RMP, PMI-ACP, CSM war für drei Jahre im Board of  Directors für Zertifizierung bei PMI in Philadelphia tätig und hat seit 1999 viele tausend PMPs erfolgreich ausgebildet – über 90% davon in Deutsch. Seinen eigenen PMP hat er 1996 in Boston abgelegt – damals noch mit 8 Stunden Prüfungszeit. Im Jahre 2004 erschien die erste Auflage des Buches „Das PMP-Examen“. Details zur aktuellen Auflage und Hinweise zur Bestellung über den Buchhandel gibt es hier.


Weiterführende Links

Alle Antworten rund um das Thema PMP finden Sie in unserem zentralen MagazinbeitragPMP werden und bleiben – ein Ratgeber

Einen Magazinbeitrag, der sich speziell mit dem Wesen der PMP Prüfungsfragen auseinandersetzt haben wir hier: Die verschiedenen Fragetypen im PMP-Examen

Praxistipps für eine bestmögliche Vorbereitung finden Sie hier:  Praxistipps zur Examensvorbereitung

Höchst effektive Vorbereitung auf die PMP-Prüfung, entweder pur online, geführt in der Gruppe im Blended Learning oder im 1:1 Coaching mit Thomas Wuttke? Nähere Infos auf unserer Webseite  www.wuttke.team/pmp

(M005) Letzte Aktualisierung: 5.Juni 2018, (c) Copyright by Gita GmbH Herrsching
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